Fanfic: Nur ein Geist …
Chapter: Verwirrung
Sprachlos setzt Akane sich wieder auf die Kante ihres Bettes und nahm vorsichtig das Buch in ihre Hände … und auf den ersten Seiten … in ihrer eigenen geschwungenen Schrift … spiegelte sich ihr Traum wieder … ihr Traum von dem geheimnisvollem Baum … mit dem noch ungewöhnlicheren Buch …
Für einige Minuten starrte Akane ihre eigene Schrift an, strich hinüber … drehte das Buch hin und her … erinnerte sich an ihren Traum …
Ein kleines beruhigendes Gefühl stieg in ihr auf … lies ihr Herz schneller schlagen …
Schnell schloss Akane die Augen, atmete einmal tief durch und legte das Buch dann zur Seite. Ohne es noch einmal anzuschauen schritt sie zu ihrer Zimmertür, öffnete diese und ging dann, nach einem kurzen Zögern, hinaus auf den Flur …
Mit großen Augen beobachtete sie wie sich ihre Füße Schritt für Schritt nach vorne bewegten … hörte wie der Boden leise knarrte … hörte wie ihr Herz schlug und gegen ihre Brust pochte …
Dann … ohne genau zu wissen warum … drehte sie um und rannte zurück in ihr Zimmer … schnappte sich das Buch und lief mit einem leichten Grinsen zurück nach unten
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Kurz nachdem Akane unten angekommen war, machte sie sich auch schon wieder auf den Weg nach oben … ging mit schweren Schritten die Treppe hinauf und öffnete mit einem leisen Knarren die Tür zu Ranmas Zimmer. Stockend blieb sie im Türrahmen stehen und beobachtete Ranmas schlafenden Körper … friedlich … irgendwie unschuldig …
Langsam ging Akane auf ihn zu, kniete sich neben sein Futon und wollte ihn schon an den Schultern wach rütteln, als ihr blick auf einen kleinen schimmernden Ring fiel, der neben Ranmas Kopfkissen lag …
Erstarrt zog sie ihre Hände zurück … atmete mit stockendem Atme … so dass sich ihre Brust nur langsam hob und senkte. Traurig blickte Akane zu Boden und spürte wie der Schmerz in ihrem Herzen sich langsam wieder aufbaute … größer wurde … sie zerriss …
Ein lauter Knall riss Ranma aus seinem Schlaf. Die Schiebetür zu seinem Zimmer hing leicht schief und sah irgendwie ziemlich mitgenommen aus. Leicht irritiert richtete Ranma sich auf und zog die Nase etwas schief … versuchte sich daran zu erinnern, ob er vielleicht etwas mit der Tür angestellt hat, als er das laute Poltern von Schritten hörte, die sich über die Treppe nach unten entfernten.
Kopfschüttelnd begann Ranma sich sein Hemd und seine Hose überzustreifen … lies seinen Blick dabei mehrmals über den kleinen silbernen Ring streifen … bis er irgendwann an ihm hängen blieb. Langsam kniete er sich zu ihm herunter und hob ihn vorsichtig auf. Ein kleiner Schimmer entstand in seinen Augen und ohne lange darüber nachzudenken, hatte er ihn auch schon in seine Hosentasche gesteckt.
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Weder beim Frühstück, noch auf dem Weg zur Schule sprach Akane ein Wort mit Ranma … zu tief saß die Enttäuschung … der Schmerz über den gestrigen Tag …
In der Pause saß Akane alleine unter einem Großen Baum auf einer kleinen Bank, hatte ihr Buch aufgeschlagen und schrieb … ihre Gedanken …
Schmerz … was ist Schmerz?
Ein beißendes tiefes Gefühl … mitten im Herzen … im Bauch … den Körper zerstörend …
Kann man stark sein?
Den Schmerz nicht spüren … vermeiden … ihn verdrängen?
Vielleicht den Schmerz vergessen … ?
„Hey Akane!“ Mit einem unsicheren Grinsen auf den Lippen setzte Ranma sich neben Akane, welche schnell das kleine Buch schloss und es in ihre Tasche steckte. Schnippisch einatmend wollte Akane sich schon wieder auf den Weg machen, als Ranma sanft ihr Handgelenk umfasste und zurück auf die Bank zog. „Akane … es tut mir Leid … ich wollte dir nicht weh tun …“
Sprachlos blickte Akane auf … hörte zu wie Ranma ihr erklärte, dass er gestern nur verwirrt gewesen war … spürte einen warmen Schauer durch ihren Körper gleiten, als Ranma leicht über ihren Handrücken strich … doch sie bemerkte nicht den kleinen silbernen Schimmer in Ranmas Augen …
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Erst am Abend brachte Ranma Akane wieder zurück … strich ihr noch kurz eine kleine Spur von dem Eis, welches sie vorher gegessen hatten, aus dem Mundwinkel und lächelte sie an. „Ich hoffe du kannst mir verzeihen Akane …“
„Ich glaube … das habe ich schon längst getan …“ Mit einem schüchternen Lächeln drehte Akane sich um und sah nervös zu Boden. Im Grunde genommen verstand sie nicht wirklich … was an diesem Tag passiert war … warum Ranma so ungewöhnlich nett war … doch irgendwie gefiel es ihr … egal wie merkwürdig es auch war …
„Ich geh dann mal rein …“ murmelte Akane leise und lief schnell davon … vielleicht vor ihren Gefühlen … vielleicht aus Unsicherheit … vielleicht aus Glück?
Mit einem tiefen Seufzer lies Akane sich auf ihr Bett fallen, schloss die Augen und lies das warme gleißende Gefühl durch ihren Körper fluten …
Neben ihr auf dem Boden lag ihre Tasche, aus der langsam das kleine Buch glitt ... und man konnte beobachten wie sich die Seiten Blatt für Blatt aufblätterten … und fließend kleine Worte auf den Zeilen erschienen … Worte, die Akanes Gefühle widerspiegelten …
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Später am Abend schritt Akane gemächlich durch den Graten zum Dojo hinüber. Schüchtern trat sie in den Lichtkegel der Tür und beobachtete für eine kurze Weile, wie Ranma trainierte.
„Kann ich … kann ich vielleicht mit dir trainieren?“ Mit einem unscheinbaren Lächeln ging Akane auf Ranma zu und zog ihm leicht an seinem Hemd.
Unsicher fuhr Ranma zurück und sah sie verständnislos an. „Seit wann redest du denn wieder mit mir? Ich dachte du bist noch sauer?“
Irritiert ging Akane ein paar Schritte zurück und verzog leicht den Mund. „Aber … aber heute Nachmittag … du hast dich doch ent …“
Nachdenklich schnappte Ranma sich ein Handtuch und strich sich damit über die Stirn.
„Heute Nachmittag … heute Nachmittag …“ Mit krauser Stirn schaute Ranma Akane in die Augen „Weißt du vielleicht was ich heute Nachmittag gemacht habe?“