Fanfic: Auf der Suche nach der Wahrheit (komplett)
Chapter: 2. Teil
Während Ranma den Wald durchquerte, blieb er urplötzlich stehen, als er an einem umgefallenen Baum vorbeikam. Er musste grinsen, als er daran dachte, dass er es gewesen war, der ihn so zugerichtet hatte. Dann blickte er zu einem anderen Baumwipfel. Hier hatte alles angefangen. Hier hatte er sein Gedächtnis verloren, hier war der Ort gewesen, wo er den Unfall gehabt hatte, der sein Suche hatte beginnen lassen. Doch jetzt war es ihm egal. Er hatte endlich seine Erinnerung wieder gefunden und war überglücklich darüber. Ohne sich noch länger aufzuhalten, setzte er seinen Weg fort, zurück nach Hause...
Die langsam untergehende Sonne schickte ihre allerletzten, orangeroten Strahlen durch die Fenster der Häuser. Die Familie Tendo, bis auf Akane, die ja immer noch bei ihrer Freundin war, sowie Genma saßen im Wohnzimmer, wo sich jeder anders beschäftigte. Genma und Soun spielten eine Runde Go, Kasumi spülte das Geschirr und Nabiki, die ohne Ranma keine großen Attraktionen mehr hatte, überlegte, wie sich sonst noch Geld machen ließ.
Alles in allem war es ein ganz gewöhnlicher Tag, abgesehen davon, dass es ohne die Streitereien von Akane und Ranma seltsam ruhig war.
Doch auf einmal durchbrach ein Klopfen an der Haustür die Stille. Erst zaghaft, dann immer fester.
„Ich geh schon!“ rief Kasumi und eilte zur Tür.
„Ja Hallo, was kann ich für ...?“
sagte sie während sie sie öffnete und stockte mitten im Satz, als sie sah, wen sie vor sich hatte.
Es war Ranma!
Vor Schreck wie gelähmt stand sie einfach nur da, doch dann fasste sie sich wieder und brachte ein paar Worte heraus.
„Ranma...du, was...?“
Alle horchten schlagartig auf, als sie hörten, was Kasumi da sagte. Genma blickte um die Ecke und als er seinen Sohn erblickte, stürmte er heulend auf ihn zu. Alle versammelten sich um ihn und überhäuften ihn mit Begrüßungen und Fragen.
„Wo bist du nur gewesen?“
„Geht es dir gut?“
„Bist du es wirklich?“
„Was ist denn passiert“
und so weiter.
„Komm doch erst einmal rein!“
Zum Glück war Kasumi noch so vernünftig nachzudenken und ihn nicht, wie die anderen, draußen in der Kälte stehen zu lassen und auszuhorchen.
Er bahnte sich seinen Weg ins Wohnzimmer, was gar nicht so leicht war, da ihm sein Vater und Soun und den Füßen hingen und hemmungslos vor Glück schluchzten.
Als die beiden sich einigermaßen beruhigt hatten und Ranma sich setzen konnte, eilte Kasumi sofort in die Küche um ihm einen Tee aufzusetzen.
„Also Ranma, ich denke du hast einiges zu erzählen, oder?“
„Natürlich, wisst ihr, es war so...“
Lang und breit erzählte er ihnen von dem Vorfall im Wald, von seinem Gedächtnisverlust, dass Arina und Naoko ihn aufgenommen hatten und wie er wieder dazu gekommen war sich zu erinnern. Nur den Grund warum er an dem Morgen überhaupt gegangen war ließ er weg, wie sollte er auch etwas erzählen, von dem er nichts wusste. Er hatte nur noch so eine vage Ahnung, dass er ziemlich verärgert gewesen war, doch was nun genau geschehen war, davon hatte er keine Ahnung. Es wurde reichlich spät, während er seine Geschichte immer und immer wieder vortragen musste, da sein Vater und Soun ständig nachfragten.
Draußen wurde es immer düsterer.
Plötzlich hatte Kasumi einen Geistesblitz. Akane! Sie musste sie dringend herholen! Sie musste doch wissen, dass er zurückgekommen war.
„Entschuldigt mich kurz“ sagte sie, stand auf und ging zum Telefon. Dann wählte sie die Nummer, die auf einem Zettel stand. Akane hatte sie da gelassen, falls irgendwas war.
Still wartete sie, und horchte auf das Freizeichen, bis abgenommen wurde. Die Mutter von Akanes Freundin meldete sich.
„Entschuldigen sie bitte, dass ich so spät noch störe, aber könnte ich mit Akane sprechen?“
„Sicher, einen Moment bitte.“
Sie ließ den Hörer liegen und holte Akane an den Apparat. Es dauerte nicht besonders lange, bis sie sich meldete.
„Ja?“
„Oh, Akane, hallo. Ich weiß es klingt seltsam, aber könntest du nach Hause kommen?“
„Was? Aber ich sollte doch heute hier übernachten.“
„Ich weiß, aber ich denke, dass es sehr wichtig ist. Bitte komm einfach her.“
„Ja, aber warum denn?“
„Das wirst du noch früh genug sehen, wenn du hier bist. Aber meiner Meinung nach, ist es besser, wenn du noch heute kommst. Es ist auch in deinem Sinne so...“
„Ja, wenn du meinst... „
Sie verabschiedete sich noch und legte dann auf.
„Was ist denn los?“ fragte ihre Freundin und sah sie interessiert an.
„Ich soll nach Hause gehen.“
„Was? Muss du wirklich? Schade...“
„Ja, aber Kasumi meinte, dass es wichtig ist. Ich werde besser gehen.“
Sie packte eilig ihre Sachen, sagte auf Wiedersehen und machte sich auf den Weg. Sie verstand nicht ganz, was Kasumi damit meinte, dass es wichtig sei. Was konnte denn schon so wichtig sein, dass sie sie mitten in der Nacht nach Hause bestellte? Es sei denn...
Ranma! Mit diesem Gedanken im Kopf beschleunigte sie ihre Schritte und rannte schon fast, als sie an ihrem Haus ankam. Sie schloss auf und rief ein „Bin wieder da!“, während sie sich die Schuhe auszog. Hastig stellte sie ihre Tasche ab und ging ins Wohnzimmer, aufgeregt, was sie da erwarten würde.
Noch einen Schritt, dann würde sie es wissen, ob sie mit ihrer Vermutung richtig lag. Aufgeregt betrat sie den Wohnraum und wurde dort freundlich von allen begrüßt. Sie ließ ihren Blick durchs Zimmer schweifen und ließ enttäuscht den Kopf sinken, da sie keinen Ranma sah. Kasumi beobachtete dies lächelnd.
„Könntest du mal kurz herkommen?“
Akane sah Kasumi an, die ihren Blick freudestrahlend erwiderte. Plötzlich wurde Akanes Aufmerksamkeit auf die Tür am anderen Ende des Raums gelenkt, von wo sie Schritte hörte. Nervös wartete sie ab und horchte gespannt auf das Geräusch der näherkommenden Schritte. Langsam erschien eine Gestalt im Türrahmen, zuerst nur schemenhaft, dann immer deutlicher.
*Ranma...*
Akanes Herz schlug höher, ihre Augen weiteten sich ungläubig. Es war Ranma, ihr Ranma! Der Ranma, der vor zwei Wochen spurlos verschwunden war. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, Tränen des Glücks und der Erleichterung, während Ranma auf sie zu ging. Vor ihr blieb er stehen, sie sahen sich jetzt direkt in die Augen. Für Akane schien dieser Augenblick endlos zu sein, in dem sie in seinen saphirblauen Augen versank.
Wie hatte sie sie vermisst! Diese Augen, es waren eindeutig die von ihrem Ranma. Nun gab es keinen Zweifel mehr. Unfähig sich zu bewegen stand Akane einfach nur vor ihm und sah ihm in die Augen. Doch dann wurde sie schlagartig aus dieser Trance gerissen, von Ranmas Worten, die sie bis tief ins Mark erschütterten.
„Wer bist du?“
Akane konnte darauf nichts antworten. Hatte... hatte er sie tatsächlich gerade gefragt, wer sie war? Aber warum? Er musste sie doch kennen, schließlich waren sie verlobt.
Aber vielleicht... machte er sich ja nur einen Spaß draus und wollte einfach nur sehen, wie sie reagierte. Ja so musste es sein! Zumindest redete Akane es sich ein. Sie wollte nichts anderes glauben, es musste einfach ein Scherz gewesen sein, sie wünschte, dass es einer war...
Auch alle anderen hielten nach Ranmas Worten gebannt den Atem an. Das hatte nun wirklich niemand erwartet. Zögernd ergriff Ranmas Vater das Wort.
„Aber Ranma, mein Sohn, was... was sagst du denn da? Bitte mach jetzt keine dummen Witze. Das ist Akane, deine... deine Verlobte, das weißt du doch!“
Ranma drehte seinen Kopf langsam in die Richtung seines Vaters und sah ihm in die Augen. Mit einem Blick, der nicht hätte lügen können, sprach er leise.
„Es tut mir leid Vater, aber...“
Dann schaute er wieder Akane an.
„Ich habe sie noch nie gesehen...“
Akanes Augen weiteten sich ungläubig. Er machte keinen Spaß, er... erkannte sie nicht!
Er hatte sie vergessen,... einfach vergessen....
Ihre Augen füllten sich mit Tränen, während sie weiterhin direkt in die Ranmas sah. Sie suchte verzweifelt, doch sie fand es nicht... sie fand keine Spur von Erkennen, keine Vertrautheit, keine Sanftheit ihr gegenüber, die sie früher so oft festgestellt hatte...
Es war zwar Ranma, doch schien es ihr, als wäre er nicht echt, als wäre es ein vollkommen neuer Ranma, der genauso aussah und genauso sprach, wie der echte, es aber trotzdem nicht war...
Auch Ranma sah Akane lange an. Er konnte seinen Blick einfach nicht von ihr lösen. Da war etwas...
Er fühlte sich von ihr angezogen und seltsamerweise hatte er das Gefühl, dass sie mehr war als einfach nur irgendjemand. Wahrscheinlich hatte er sie schon einmal gesehen, aber...
Er stockte in seinen Gedanken. Er wusste genau, dass er sie kannte, nein mehr spürte er es, als dass er es wusste, aber trotzdem fehlte ihm jeglicher Anhaltspunkt, wer es war, der da vor ihm stand. Nein! Es konnte nicht sein! Er hatte sein Gedächtnis doch wieder, er glaubte nicht daran, dass noch ein Stück fehlte. Er wollte es nicht glauben. Doch...
Wenn er diesem Mädchen so in die Augen sah, die ihn verzweifelt anblickten, die ihn förmlich anflehten, sich zu erinnern, dann musste er leider sagen, dass er es nicht konnte.
Die Zeit schien still zu stehen. Niemand im Haus war im Stande sich zu bewegen, oder etwas zu sagen.
Für Akane war dieser Moment endlos, indem sie und Ranma sich gegenüberstanden.
Sie fühlte sich als würde ihr Herz zerbrechen, sie wollte es einfach nicht wahr haben.
„Entschuldigt mich bitte.“ Sagte Ranma. Er drehte sich um und wollte gehen, doch auf halben Wege blickte er noch einmal über die Schulter zurück.
Er sprach sehr leise, seine Stimme war fast nur noch ein Flüstern, doch Akane verstand die Worte ganz genau.
„Es tut mir leid.“
Ohne noch einen weiteren Blick zurück, setzte er sich in Bewegung und ging zur Tür hinaus. Schweigend kletterte er aufs Dach und streckte sich dort aus. Er schloss die Augen und versuchte sich zu entspannen.