Fanfic: Auf der Suche nach der Wahrheit (komplett)

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Doch es ging ihm nicht aus dem Kopf, dieses Gefühl, als sie ihn angesehen hatte...
Eine seltsame Vertrautheit war über ihn gekommen, er hatte ein Kribbeln in der Magengegend gespürt, es war als... würde er in diesen wunderschönen braunen Augen versinken und...
Aber er hatte doch sein Gedächtnis wieder! War es denn wirklich so, dass noch etwas fehlte? Er wollte es einfach nicht einsehen. Jetzt hatte er sich endlich wieder an seine Familie und alles andere erinnert und dann...
... es war wie ein Puzzle, das fast fertig war, bei dem aber ein Teil verloren gegangen war. Man wusste genau, dass es noch fehlte, aber man fand es nicht. Es war ganz genau so...

Akane stand immer noch starr an der selben Stelle wie vor ein paar Minuten. Er hatte sie tatsächlich gefragt, wer sie war. Sie konnte es nicht verkraften. Es war sein voller Ernst gewesen, das hatte sie in seinen Augen gesehen, doch es wollte ihr einfach nicht in den Kopf. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, die sanft ihre Wange herunterliefen und schließlich zu Boden stürzten. Es wurde immer schlimmer. Bäche von Tränen stürzten aus ihren Augen, so dass sie die Welt um sich herum nur noch verschleiert wahrnehmen konnte. Sie ließ sich auf die Knie sinken und gab ihnen freien Lauf. Es war ihr egal, dass ihre Familie sie dabei sah, es war ihr vollkommen gleich, ob man es merkte, dass er ihr etwas bedeutete, sie konnte nicht anders. Dieser Schmerz saß zu tief, als dass sie ihn länger unterdrücken konnte. Hemmungslos weinte sie, bis sich eine Hand sanft auf ihre Schulter legte. Es war Kasumi, die sie mit einem aufmunterndem Lächeln ansah. Langsam zog sie sie in die Höhe und nahm sie schließlich in die Arme. Akane klammerte sich an sie wie ein kleines Kind.
Als sie sich ein wenig beruhigt hatte, führte sie Kasumi langsam zum Tisch und bedeutete ihr sich zu setzen, was sie auch tat, genauso wie alle anderen.
Akane starrte den Boden an. Sie schaffte es nicht jetzt zu den anderen aufzusehen, sie wollte ihnen ihre Schwäche nicht zeigen. Auch wenn es eigentlich Blödsinn war, da sie alle ihre Tränen bemerkt hatten.
„Ich denke wir sollten dir erzählen, was ihm passiert ist.“ Begann Soun und wiederholte das, was ihnen Ranma bei seiner Ankunft erzählt hatte. Akane hörte aufmerksam zu.
Als ihr Vater geendet hatte, blieb sie weiterhin stumm. So war es also gewesen. Jetzt kannte sie zumindest den Grund, warum er sich zwei Wochen nicht blicken ließ. Doch warum...
Warum nur konnte er sich nicht mehr an sie erinnern. An seinen Vater an Akanes komplette Familie, wahrscheinlich auch an seine anderen Verlobten, nur nicht an sie...
Das war so ungerecht!
Jetzt hatte sie so lange auf ihn warten müssen und dann konnte sie seine Rückkehr noch nicht einmal genießen. Ihr Herz schmerzte, wenn sie an den Ausdruck in seinen Augen zurückdachte. Er hatte sie angesehen als währe sie eine Fremde gewesen, wie jemanden, den er auf der Straße getroffen hatte. Wie konnte er sie bloß vergessen? Sie hatte ihn niemals vergessen können, niemals...

Ranma lag auf dem Dach und versuchte einfach an nichts zu denken. Denn immer wenn er sich dieses Mädchen ins Gedächtnis rief, hatte er ein Gefühl, dass er nicht zuordnen konnte und es bereitete ihm Kopfschmerzen. Darum lag er regungslos da, einfach nur so, bis er eine Fahrradklingel hörte. Er hob seinen Kopf um zu sehen, von wo das Geräusch kam, da hatte er auch schon ein Fahrrad mitten im Gesicht.
„Oh, Airen! Wie schön, du wieder da sein!“
Die Amazone sprang ab und warf sich Ranma in die Arme.
„Wo du nur gewesen sein? Ich dich vermisst.“
Sie kuschelte sich an Ranmas Brust, bis sie merkte, dass er sich gar nicht dagegen wehrte. Verwirrt so sie ihm in die Augen und bemerkte einen keinen einzigen Schimmer von Hass oder Verachtung, eher im Gegenteil...
„Hallo Shampoo, ich finds auch schön dich wieder zu sehen.“
Er grinste das blauhaarige Mädchen an, das diesen Blick freudestrahlend erwiderte.
„Oh, Airen, du endlich hast kapiert.“
Sie drückte sich nur noch fester an ihn und Ranma legte sanft seinen Arm um sie, auch wenn ihm dabei nicht ganz wohl war...

Akane hatte von Kasumi den Rat bekommen, noch einmal mit Ranma zu sprechen, vielleicht schaffte sie es ja ihn erinnern zu lassen. So ging sie also seufzend nach draußen und schickte sich an aufs Dach zu klettern.
*Und wenn er sich nicht erinnert?*
Dieser Gedanke spukte ihr die ganze Zeit im Kopf herum, während sie schon beinahe oben war. Letztlich hatte sie die Oberseite des Dachs erreicht und blickte sich um. Dann sah sie Ranma...
Zusammen mit Shampoo, die in seinen Armen lag!
Akane konnte es nicht fassen. Ein tiefes Gefühl von Eifersucht kam in ihr auf, so stark, dass sie dachte sie würde gleich den Verstand verlieren. Doch dann wurde sie wütend. Wütend auf Ranma, der nach so langer Zeit endlich zurückkam und nichts besseres zu tun hatte als auf ihrem Dach mit Shampoo zu flirten!
Wutschnaubend drehte sie sich um und stieg wieder herunter.
*Ranma, du bist so ein Idiot!!!*
Dann fing sie an zu rennen, wohin, dass wusste sie nicht. Und es war ihr auch total egal. Sie wollte nur eins:
Weg! Weg von hier und vor allem weg von Ranma, der sie so hinterging. Kleine Tränen glitzerten in ihren Augen, während sie in die Nacht hinein rannte...

Ranma hatte kein Wort mehr gesagt. Etwas an dieser Szene störte ihn, doch er verstand nicht was. Shampoo war doch seine Verlobte, warum fühlte er sich dann so unwohl, als sie sich an ihn kuschelte? Ein mulmiges Gefühl überkam ihn, als wäre es absolut nicht okay, was er hier machte. Tief in seinem Inneren spürte er, dass er das Ganze gar nicht wollte. Nein, es war so falsch!
Mit einem Mal schubste er Shampoo von sich weg, wenn auch so sanft wie möglich. Die Amazone sah verwundert zu ihm auf. Doch Ranma konnte ihr nicht in die Augen sehen und sagte bloß:
„Es wird spät, vielleicht solltest du besser gehen.“
Shampoo war die Enttäuschung förmlich ins Gesicht geschrieben, doch widerwillig ging sie seinem Wunsch nach. Sie drückte ihm ein zartes Küsschen auf die Wange und machte sich dann lächelnd auf den Weg. Ranmas plötzliche Veränderung war ihr gar nicht aufgefallen.
Ranma blieb noch sitzen und rieb sich seine Wange. Dieser Kuss war für ihn irgendwie...
...fremd gewesen, als wäre es das falsche Mädchen gewesen, das ihn ihm gegeben hatte.
Sein Verstand sagte ihm, dass sie als seine Verlobte es ja ruhig tun dürfte, doch sein Gefühl meinte genau das Gegenteil. Er hatte nichts empfunden, als sie in seiner Nähe gewesen war, im Gegensatz zu dem Mädchen vorhin im Haus...

Akane hatte nicht darauf geachtet, wohin sie ging, dazu war sie viel zu aufgewühlt. Sie konnte die Tränen nicht mehr unterdrücken, sodass sie wie durch einen Schleier den Weg vor ihr nur schemenhaft erkennen konnte. Es war ihr egal, wohin er führte, Hauptsache weit genug weg von Ranma und Shampoo. Als sie daran zurückdachte, was sie auf dem Dach beobachtet hatte, was ihrem Herzen einen schmerzhaften Stich verpasste. Warum? Warum hatte er Shampoo ihr vorgezogen? Warum konnte er sich kein bisschen mehr an sie erinnern? Und vor allem: Warum tat es so weh, ihn mit anderen Mädchen zu sehen?
Sollte er doch mit Shampoo glücklich werden, es war ihr egal!
Abrupt blieb Akane stehen. War es ihr wirklich so egal? Und wenn es so war, warum war sie so eifersüchtig auf Shampoo?
Akane kannte die Antworten auf ihre letzten Fragen nur allzu gut.
Verzweifelt musste sie es sich doch eingestehen. Ja, sie liebte ihn...
...und die Trennung von Ranma hatte dieses Gefühl nur noch um einiges verstärkt.
Sie sah sich um und stellte fest, dass sie im Park gelandet war. In den zwei Wochen, in denen er verschwunden gewesen war, war sie sehr oft hier her gekommen und hatte auf den See geblickt, in der Hoffnung ihn bald wiederzusehen und jetzt?
Jetzt hatte sie ihn wieder und nichts hatte sich geändert. Es war genauso von einem geliebten Menschen ignoriert zu werden, wie ihn verloren zu haben, wenn nicht sogar schlimmer...
Akane setzte sich auf die Parkbank am See. Sie wollte nicht nach Hause, nicht jetzt. Sie könnte es nicht ertragen, Ranma zu sehen, wenn er sie mit seinem nicht erkennenden Blick ansah. Seine Augen waren früher anders gewesen. Erst jetzt fiel es ihr auf, aber sie hatten immer diesen sanften Ausdruck gehabt, wenn er sie ansah. Ja, natürlich gab es auch diese Moment in denen sie sich stritten, aber manchmal...
Doch was redete sie sich ein? Ranma liebte sie nicht, er liebte Shampoo.
Still schweigend starrte Akane auf die schwarze Oberfläche des Sees, in dem sich das goldene Licht des Vollmonds spiegelte und stumme Tränen rangen ihre Wangen herab.
„Ranma..., warum tust du mir das an?“
Ihr Blick schweifte zu dem Nachthimmel, der einfach zu schön war. Jeder einzelne Stern schickte sein strahlendes Licht und für Akane erschien es, als wollten sie sie damit trösten. Und es funktionierte auch. Je länger sie sie ansah, desto mehr ließ sie sich ablenken. Es tat gut, nicht ständig von diesen schmerzenden Gefühlen geplagt zu werden und der Blick in den Sternenhimmel beruhigte sie, wenn es auch nicht für immer anhalten konnte.

Es gab noch jemanden, der zur selben Zeit den Himmel bewunderte, wenn auch nicht aus dem selben Grund: Ranma
Er wurde die dumpfe Vermutung nicht los, dass er das Falsche getan hatte. Warum hatte er sich nur so bedrängt gefühlt? Warum hatte er in dem Moment an das Mädchen aus dem Haus denken müssen? Was hatte sein Vater doch gleich gesagt?
Angeblich sollte sie seine Verlobte sein...
Aber dann würde er sie doch erkennen, oder? Es sei denn...
Ranma wollte sich nicht länger den Kopf darüber zerbrechen, zuckte nur kurz mit den Schultern und beschloss dann, wieder rein zu gehen, da es in dieser Jahreszeit relativ früh kalt wurde. Also schwang er sich elegant vom Dach und schritt mit hinter dem Kopf verschränkten Armen zur Wohnzimmertür.