Fanfic: Berührungen ½ [8] - Finale -

können, wenn er nicht bis eben noch so müde gewesen wäre. „Sie hat doch gar keinen solchen Yukata. U-u-und...“ Mit einer plötzlich aufkommenden starken Röte in seinem Gesicht stockte er für einen Moment. „Ich spürte ihre... Brust an meiner. Akane ist doch flach wie ein Br--... hat doch gar keine Brust. Oder doch?“ Nie hatte er darüber nachgedacht, dass sich Akane seit jener ersten Begegnung im Bad hätte entwickelt haben können. Er war nicht der Typ, der solchen Dingen große Beachtung geschenkt hätte. Aber nun, da er noch immer das kribbelnde Gefühl in sich spürte, als hätte jene Berührung nie aufgehört, schlug sein Herz schneller. So nah und doch so fern fühlte er, wie dieses Mädchen sich vorsichtig an ihn presste und ihn dann küsste.<br />
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Unfähig die Starre aus seinen Augen zu lösen, schüttelte er noch heftiger seinen Kopf. Hier war weit und breit niemand. Das muss er sich eingebildet haben. Bestimmt hatte er so viel über Akane nachgedacht, dass er bereits Traum und Realität verwechselte. Etwas wackelig auf den Beinen stolperte er aus der Quelle hinaus und zog sich seine Kleider über den nassen Körper. „Natürlich war es ein Traum“, sagte er entmutigt zu sich selbst. „Nie im Leben würde Akane...“<br />
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Plötzlich fiel sein Blick auf ein großes, gelbes Stück Stoff, das am Boden lag. Verwundert hob er es auf und betrachtete mit erneut geweiteten Augen die mit Sonnenblumen bedruckte Schleife.<br />
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„Hier war doch jemand!“ Stirnrunzelnd überlegte er. „War es... etwa das Mädchen aus der Hütte? Wer auch immer eben hier gewesen war, sie sah genau aus, wie Akane. Aber es kann doch niemanden geben, der ihr so stark ähnelt – nicht mal im geringsten. Akane ist Akane. Sie ist einzigartig.“ Ein weiteres Mal überlegte er. „Es sei denn ich wünschte mir so sehr, sie zu sehen, dass mein Verstand mir einen Streich gespielt hat... Klingt logisch. Logischer, als sie hier zu treffen, von ihr wachgeküsst zu werden.“ Ihm kamen wieder all die Erinnerungen der letzten Wochen, wie sie vor ihm davon lief und nun mit Ryoga durchgebrannt war, in den Sinn.<br />
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Gedankenverloren machte er sich auf den Weg durch den dusteren Wald zurück ins Dorf.<br />
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„Es hat nicht funktioniert“, sagte Matsuko ermüdet, als Sen ihr den Arm sanft um die Schulter legte. <br />
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„Ryoga hatte sich solche Sorgen um seine Freundin gemacht. Er hat uns gerettet. Unseren ganzen Wald hatte er damals gerettet, UNS hatte er gerettet, Sen, und selbst auf diesem einfachen Weg ihm zu danken, scheiterten wir kläglich.“ Die ältere Dorfbewohnerin vergrub ihr Gesicht in den Händen. Sen fragte sich, ob sie bloß seufzte oder tatsächlich doch ein Schluchzen ertönt war. Heftig schüttelte sie ihren Kopf. „Wir hätten ihn von seinem schlechten Gewissen befreien und gleichzeitig zwei Menschen zusammen bringen können.“<br />
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„Aber aber“, sprach Sen ruhig zu ihr. „Es ist doch noch gar nichts verloren. Alles, was schief ging, war ein einziger Abend. Dann werden wir es eben morgen besser machen.“ Liebevoll lächelte er sie an.<br />
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Sie jedoch starrte mit brennenden Augen zurück und sagte schließlich: „Ich habe aus ihrem Blick gelesen. Sie wird bald abreisen. Und was... was, wenn der Junge nicht zurückkehren wird?“ <br />
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Der bärtige Mann überlegte einen Augenblick. „Meine Liebe, als Ryoga uns das letzte Mal besuchte, um etwas Abstand von dem jungen Mädchen zu gewinnen, dem er unglücklich sein Herz geschenkt hatte, erzählte er uns von dem Grund der unerwiderten Liebe.“ Matsuko nickte und Sen fuhrt fort: „ Anders als bei seinem ersten Besuch, fluchte er dieses Mal nicht über ihren schrecklichen Verlobten, beschimpfte ihn nicht mehr als Zwitter wegen seines Jusenkyo-Fluchs, sondern beneidete und achtete ihn. Er sagte, dass wenn Akane einem Menschen ihre Liebe schenken würde, und dessen war er sich ganz sicher, obgleich sie es auch immer abgestritten hatte, dann einem ganz besonderen.“ Er machte eine kurze Pause. „Darüber hinaus wusste er ganz sicher, dass der Junge genau das selbe für sie empfindet, es jedoch ebenfalls niemals zugegeben hatte. Matsuko, Ryoga hatte es damals geschafft, unsere Jahrhunderte alte Kultur zu bewahren. Du weißt von seinen Fähigkeiten, wenn er sich auch hin und wieder etwas tollpatschig anstellt. Dieser junge Kämpfer wird von seinem guten Herzen geleitet und ich meine, wir können ihm vertrauen. Alles hat seinen Grund und wird früher oder später seinen Weg zur Richtigkeit finden – ob wir uns nun einmischen oder nicht.“ Dem alten Dorfbewohner entfuhr ein leichtes Lachen. „Nun ja, wir können uns zwar nicht hundertprozentig sicher sein, dass es sich bei unserem Besucher auch wirklich um Akanes Verlobten und Angebeteten handelt, doch es spricht genügend dafür. Ein junger Kämpfer mit einem schwarzen Pferdeschwanz, der sich in einen weiblichen Rotschopf verwandelt, eine Verlobte hat, die er liebt und wer weiß wie viele Verlobte wider Willen. Und nicht zu verachten sei seine Reaktion auf den Namen ‚Akane’... Nein, ich bin mir doch ganz sicher, dass er es ist. Sie sind füreinander bestimmt. Wenn du mir nicht glauben magst, so werden die Schriftrollen uns die letzte Sicherheit geben. Sie haben sich noch nie geirrt. Und wenn dem so sei, werden sie schon bald erfolgreich weiterführen, was wir einst in jungen Jahren begonnen hatten.“<br />
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Aufgemuntert schaute Matsuko zu Sen auf und lächelte. „Wir werden Ryoga, Akane und Ranma helfen und auch unsere Tradition bewahren können.“<br />
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„Genauso ist es.“ Sen lächelte zurück. „Und merke dir bitte eines. Ich bin vielleicht älter als du, aber da oben funktioniert immer noch alles recht gut.“ Verschmitzt grinsend deutete er auf seinen Kopf. „Unserem temperamentvollen, jungen Besucher habe ich eine kleine Überraschung bereit gelegt. Und unsere liebreizende Besucherin habe ich selbstverständlich auch nicht vergessen.“ <br />
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***<br />
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Seufzend stand Ranma an der Schlucht, an die Sen ihn am frühen Abend geführt hatte. Mit leerem Blick schaute er über die waldige Landschaft hinweg, die schon viele Stunden zuvor von der Dunkelheit der Nacht zugedeckt worden war. <br />
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*Akane bedeutet Abendröte*<br />
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„Und was steht für das Schwarz der Nacht? Verpasste Chancen?“ Emotionslos ließ er sich auf die gleiche Stelle fallen, an der er vorher gesessen hatte, als seine Augen plötzlich etwas erhaschten. Neugierig griff er nach einem kleinen metallenen Kästchen, das nur wenige Meter vor ihm im Mondlicht glänzte. <br />
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„Wer verliert denn so etwas an einem solch einsamen Ort?“ fragte er sich stirnrunzelnd, machte sich aber im selben Moment daran, die Erde vom Deckel zu streichen und ihn dann vorsichtig zu heben. Er blinzelte. „Eine Schriftrolle?“ Interessiert löste er die rote, seidene Schleife, um das Pergament zu lesen. <br />
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„Was...?“ hauchte er ungläubig, als er die ersten Zeilen gelesen hatte und schaute kurz von einer Seite zur anderen, um sich zu vergewissern, dass ihn niemand beobachtete. Dann setzte er von Neuem an und las laut die Worte vor, auf die das silberne Licht der Sterne fiel:<br />
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„Was soll ich bloß tun? <br />
Wenn sich nichts ändert<br />
wird diese Liebe zu nichts führen.<br />
Und ich liebe so sehr...<br />
Wenn ich dir nicht begegnen werde, steigen in mir diese Gefühle auf,<br />
und ich stelle mir dich mit einem anderen vor.<br />
Die Energie wird an das Kommen und Gehen verschwendet.<br />
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Sag doch bitte jemand<br />
’Es wird dir gut gehen’<br />
Sodass ich es noch wert bin,<br />
glücklich zu sein.<br />
Der Schlüssel zur Zukunft –<br />
Nichts als positive Vorstellungen<br />
Mein Kopf weiß es längst, doch mein Herz ist verwirrt.<br />
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Die zarte Stimme,<br />
die wahrgenommen wird <br />
von meinen entkräfteten und müden Ohren<br />
ist vielleicht mein wahres Ich.<br />
Denn die Liebe, die ich zum ersten Mal kennen lerne<br />
Darf nicht so einfach enden.<br />
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Ich sage immer zu mir selbst<br />
’Es wird dir gut gehen’<br />
Sodass ich viel von dem wohligen Licht behalte.<br />
Der Schlüssel zur Zukunft,<br />
Nichts als positive Vorstellungen.<br />
Es ist tatsächlich so einfach<br />
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--glücklich zu sein.“ (*)<br />
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Ranma flüsterte die letzten Worte nur noch. „Das... sieht aus wie ein Tagebucheintrag. Oder so was.“ Mit einem glasigen Blick starrte er auf das Pergament. „Als... als hätte ich selbst es geschrieben.“ Nachdenklich grub er seine Stirn in Falten.<br />
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„Die zarte Stimme... ist vielleicht mein wahres Ich“ wiederholte er leise zu sich selbst. Als er die Worte, die er so eben gelesen hatte, ein zweites Mal aussprach, wurden seine Augen mit einem Schlag groß und rund. Fassungslos starrte er in die schwarze Ferne des Waldes. Plötzlich zuckten seine Mundwinkel, ganz leicht und doch mit jedem verstreichenden Moment etwas stärker. „Ich...“, setzte er zaghaft an und begann tonlos zu lachen. „Ich... liebe Akane.“<br />
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„Nein. Nein, so darf es einfach nicht enden! Nicht ehe ich nicht vollkommen klare Verhältnisse geschaffen habe. Es ist tatsächlich so einfach, glücklich zu sein!’ Ich werde zurückkehren und es ihr sagen.“<br />
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In einem nun hellen Lachen und mit funkelnden Augen sprang er schwungvoll auf und lehnte sich über die tiefe Schlucht, um aus voller Kehle herauszuschreien:<br />
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„AKANE, ICH LIEBE DICH!“<br />
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***<br />
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Akane hatte gerade ihre Hütte erreicht und war dabei die Tür zu öffnen, als sie ein Echo wahrnahm, das scheinbar vom Himmel drang. Erschrocken zuckte sie zusammen.<br />
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„Hat da gerade jemand meinen Namen