Fanfic: Berührungen ½ [8] - Finale -

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„N-nein“ antwortete sie stark verwundert. „Ranma“, fuhr sie etwas beleidigt fort, „du kapierst wirklich gar nichts.“ <br />
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Ranma starrte sie einen Augenblick stumm an und wandte dann sein Gesicht von ihr ab. „Tse! Was glaubst du wessen Schuld das ist?“ Auch er schmollte nun etwas und fiel zurück in seine alten Gewohnheiten, seine wahren Gefühle hinter groben Worten zu verstecken.<br />
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„...meine...?“ Ein leiser Schluchzer kroch Akanes Kehle hinauf. <br />
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Reuevoll drehte er sich wieder zu ihr und schaute sie mit treuen Augen an. „Natürlich deine“, sagte er leise, kaum hörbar. „Wenn du mich so ansiehst... machst du mich ganz nervös. Und ich weiß gar nichts mehr.“ <br />
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Synchron schwer ausatmend sanken ihre Blicke zu Boden. <br />
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„Versuchst du etwa...“, setzte Akane zaghaft an und wollte darauf hinaus, dass er es ebenfalls einfach nicht schaffte, über das zu sprechen, was er tatsächlich empfand.<br />
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„Ja...“ antwortete er und wusste, noch ehe sie aussprach, was sie fragen wollte. Mit großen Augen fixierte er immer noch das selbe Steinchen am Boden. „Du auch?“ fragte er nach einigen vergangenen Augenblicken.<br />
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„M-hm...“ Verlegen nickte Akane. „Warum ist es bloß so schwer? Warum können wir es einfach nicht?“ Ihre Stimme war heiser und ihre Augen brannten. <br />
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„Ich weiß es nicht“, antwortete Ranma kopfschüttelnd. „Ich weiß es nicht...“ flüsternd wiederholte er seine Worte. „A-aber--“ Erwartungsvoll schaute er ihr wieder in die Augen. „Du weißt doch... dass ich... dass ich dich...“<br />
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Akane lächelte. „Ja.... Ja das weiß ich. Jetzt weiß ich es.“ Ihr Gesicht begann zu strahlen und mit einem Mal verschwand der fürchterliche Schmerz in ihren Augen. „Weißt du es auch?“ fragte sie mit warmer Stimme.<br />
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„Ja“, antwortete Ranma und nun war er es, dem die Tränen unaufhaltsam in die Augen stiegen. „Jetzt schon.“ Auch er lächelte. <br />
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„Das reicht mir schon für den Anfang.“<br />
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„Ja... für den Anfang. Aber irgendwann werde ich bereit dazu sein.“ Er trat noch einen Schritt näher.<br />
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„Vielleicht wenn sie alle uns endlich alleine lassen und uns selbst entscheiden lassen, was wir empfinden?“ <br />
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Ranma stieg die Röte erneut ins Gesicht. „M-hm“ lautete seine knappe Antwort, die Akane zum Kichern brachte. <br />
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„Er ist wirklich nicht immer dieser unsensible Idiot“, dachte sie sich als sie ihn verträumt anschaute. <br />
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„Wir haben alle Zeit der Welt. Wir.... wir.... sind schließlich verlobt“, stotterte er mehr verängstigt als liebevoll, wie er es eigentlich beabsichtigt hatte. Zitternd hielt er ihr seine gekrümmten Finger entgegen und wagte es nicht, hinzuschauen und Akanes Reaktion abzuwarten. Doch plötzlich legte sie ihre Hand zärtlich in seine. Fest, aber doch gleichzeitig sanft drückten sie des anderen Hand und zuversichtlich lächelten einander an. <br />
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Ohne ein weiteres Wort zu sagen führte Akane ihn in ihre Hütte. Sie fühlte sich so geborgen in seiner Nähe, so beschützt in seinem Griff, so wohl in seiner Wärme. Endlich berührte er sie wirklich. Vorbei sollten die halben Berührungen ihrer Träume sein. Dies war echt, es war ganz und es fühlte sich so richtig an. <br />
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Zuversichtlich und seit Wochen erstmals erfüllt von neuer Hoffnung schritten sie nebeneinander her. Es war ein scheinbar so einfacher Händedruck. Doch für sie beide war es die schönste Erfahrung ihres ganzen bisherigen Lebens. <br />
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Langsam öffnete Genma seine Augen. „Ist... ist es vorbei?“ fragte er erschöpft. <br />
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„Sieht so aus“, antwortete die junge, schlanke Frau mit einem sanften Lächeln. <br />
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„Matsuko...“ hauchte Genma. „Du siehst wundervoll aus. Genauso wie ich dich in Erinnerung habe, als Nodaka und ich uns damals von dir verabschiedeten.<br />
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„Und genauso, wie ich sie damals kennen gelernt hatte. Aber dennoch ist sie in meinen Augen immer bezaubernd schön.“ Ein junger, gut gebauter Mann trat hervor und begrüßte Genma, der entkräftet auf dem Bett des kleinen Zimmers lag. <br />
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„Sen, mein alter Freund! Wie schön, dich nach so langer Zeit wieder zu sehen. Ihr beide seht fabelhaft aus.“ Genma hustete und presste seine flache Handfläche gegen seine noch immer schmerzende Brust. <br />
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„Ich danke dir. Dank deines Sohnes ist der Wald von Neuem erblüht und Matsuko und mir wurde mehr Zeit geschenkt, die wir gemeinsam an diesem idyllischen Ort verbringen dürfen, um unsere Liebe zu teilen.“<br />
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Ranmas Vater nickte. „Zu Lebzeiten habt ihr eure Gelegenheit miteinander glücklich zu werden, nicht wahrgenommen aus Angst, verletzt zu werden. Doch die Götter meinten es gut mit euch und gaben euch eine zweite Chance. Aber...“. Nachdenklich machte er eine kurze Pause. „Wie habt ihr es geschafft, dass sie die entscheidenden Worte endlich ausgesprochen haben? Schließlich hatten sie bereits in Ninshiki no Izumi gebadet und gewannen zwar Einsicht über ihre Gefühle zueinander, sprachen sie jedoch nicht voreinander aus.“<br />
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„Das war in diesem Fall gar nicht nötig.“ Es erklang von Neuem die klare, jugendliche Stimme der zierlichen Dame. „So wie Sen und ich uns in jungen Jahren niemals unsere wahren Gefühle eingestanden haben, taten auch sie es nicht. Doch im entscheidenden Moment, als ich nach einem unserer unzähligen Streits hinfort lief und die Schlucht hinabstürzte, war Sen für mich da. Todesmutig versuchte er mich zu retten und stürzte mit mir gemeinsam herab, ohne die heiligen drei Worte jemals formuliert zu haben. Er teilte sie mir auf andere Art und Weise mit. Und genauso taten es Ranma und Akane.“ <br />
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Das erneut erblühte Paar lächelte verliebt einander an. Dann fuhr Sen fort: „Ninshiki no Izumi war ursprünglich unser Dorfbrunnen. Manchmal beobachtete ich Matsuko wie sie nachts am Brunnen saß und weinte. Doch nie verstand ich ihren wahren Schmerz. Aber seit jenem Unfall an der Schlucht, als wir beide in den Tod stürzten, beschlossen die Götter, dass unsere Liebe weiterhin existieren und von Neuem gedeihen darf mit jedem unglücklich liebenden Paar, das durch unsere Erfahrungen und unseren Schmerz lernt.“<br />
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„Aber was war es nun, das Ranma zu der letztendlichen Erkenntnis führte?“ fragte Genma neugierig. <br />
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„Ein wenig von allem“, beantwortete der verjüngte Sen seine Frage. „Manche Menschen lernen leider erst zu spät. Sie lernen erst durch den Verlust eines geliebten Menschen, wie viel er einem wirklich bedeutet. So wie es bei mir und meiner lieben Matsuko war. Dadurch fing er an, sich mit seinen wahren Gefühlen auseinander zu setzen. Durch Ninshiki no Izumi gewann er die nötige Erkenntnis darüber. Doch den letzten ermutigenden Schubs gaben ihm, wie auch Akane wohl Matsukos und meine alten Briefe, die wir einander schrieben, aber niemals aushändigten.“<br />
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„Eure Briefe?“ wunderte sich Genma. „Das ist allerdings neu. Warum durften Nodoka und ich sie damals nicht lesen?“<br />
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„Du bist immer noch genauso neugierig wie damals“, seufzte die jugendliche Dorfbewohnerin. „Aber gut, um deine Frage zu beantworten. Du und Nodoka ward leichter zu beeinflussen. Die Illusionen der anderen Dorfbewohner, das heiße Quellwasser - und schon war alles erledigt. Bei euch mussten wir nicht viel nachhelfen. Akane und Ranma allerdings haben beide sehr starke Charaktere und ebenso stur sind sie leider auch. Außerdem mussten wir es wissen. Von Anfang an spürten wir eine starke Energie von ihnen ausgehen. Als wir dann mehr über sie erfahren haben, kam uns in den Sinn, dass sie möglicherweise das Paar sein können, das Sen und mir erlaubt, für immer zusammen zu bleiben und unsere Aufgabe als Wächter und Hüter der Ninshiki no Izumi somit erfüllt ist. Wenn dem so sei, werden die beiden Pergamente, die uns einst von unseren gütigen Vorgängern mit dem Rat, zumindest zu uns selbst immer ehrlich zu sein, geschenkt wurden, zusammenfinden und auf der Rückseite die Geschichte von Ranma und Akane weitererzählen. Und irgendwann werden auch sie einem hoffnungslosen Paar weiterhelfen, das die Schriftrolle zu lesen bekommt.“<br />
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Genma fehlten für einen Augenblick die Worte. Dann nahm er sich zusammen und fragte vorsichtig: „Was wäre mit euch passiert, wenn sie nicht zusammen gefunden hätten?“<br />
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„Die Reinkarnation... unvereint“, sagte Matsuko tonlos und blickte zu Boden. <br />
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„Aber... ihr seid noch immer hier“, stutzte der noch immer stark geschwächte Martial Artist. <br />
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„Ja, weil keiner der beiden bisher bereit war, sich ganz offen den Tatsachen zu stellen. Aber das macht nichts.“ Das Paar drückte des anderen Hand fest. „Zumindest haben sie uns weitere Zeit und Energie geschen--“ <br />
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Noch ehe sie aussprechen konnten wurde das schwach beleuchtete Zimmer plötzlich von einem gleißenden Licht durchflutet. Wärme drang schlagartig in jeden Winkel des engen Raums.<br />
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„Sen... bedeutet das etwa--?“<br />
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„Matsuko!“<br />
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„Es ist so weit! Wir können endlich für immer zusammen bleiben!“<br />
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Überglücklich fiel sich das Paar in die Arme und hielt sich ganz fest, bis das helle, leuchtende Licht, sie immer tiefer in sich tauchte und schließlich in einem kleinen Fünkchen verschwand.<br />
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Genma hielt sich schützend die Hand vor seine Augen. Nur schwach registrierte er, dass die Stimmen immer leiser wurden und sich allmählich entfernten. <br />
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„Nochmals danke für alles Genma!“ nahm er Matsukos klare Stimme wahr. „Endlich haben wir